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Jazz at Lincoln Center Orchestra with Wynton Marsalis

JazzNights 2021

Wynton  Marsalis  ist  eine  Marke.  Einer  der  besten  Trompeter  des  Jazz,  ist  er  laut  seinem klassischen Kollegen Maurice André sogar »möglicherweise der größte Trompeter aller Zeiten.« Gleichzeitig istder neunfache Grammy-Gewinner und Pulitzer-Preisträger,der im Oktober dieses Jahres seinen 60. Geburtstag feiert, der wohl rührigste Missionar des Jazz. Mit seinem ›Jazz At Lincoln Center Orchestra‹, kurz JLCO, einer Naturgewalt im Big Band-Format, verfolgt WyntonMarsalis »die Mission, eine globale Community für Jazz durch Auftritte, Bildung und Förderung zu unterhalten, zu bereichern und zu erweitern«, wie es im offiziellen Pressetext des Ensembles heißt. Ein hehres Ziel, dass Marsalis und seine fünfzehn exzellenten Musikerkollegennicht nur im Lincoln Center in New York City, sondern weltweit und mit immer wieder neuen Programmen verfolgen –von Ellington über Miles und Monk bis Wayne Shorter, dazu Auftragskompositionen, wie etwa Marsalis’ passend zu den US-Wahlen veröffentlichter ›Democracy Suite‹. Gemeinsame Konzerte mit Jazz-Stars aus der ganzen Welt, von Chucho Valdés aus Kuba über Hamilton de Hollanda  aus  Brasilien,  dem  Sachal  Jazz  Ensemble  aus  Pakistan  und  vielen  europäischen Musiker*innen, wie etwa Richard Galliano oder Stefano DiBattista, stehen außerdem auf dem Programm.  Der  Erfolg  beim  Publikum  ist  dem  Orchester  sicher,  weil  die  Musikerneben Virtuosität und Versatilität auch mit der gehörigen Energie und der nötigen Spielfreude an ihre gute Sache gehen. Der Funke springt über, von der ersten Ansage bis zur letzten Zugabe. 

Nach  Wynton  Kelly  benannt,  einem  Lieblingspianisten  für  sowohl  Miles  Davis  als  auch  John Coltrane, fand Wynton Marsalis seine Berufung schon früh in der Traditionspflege. Kein Wunder, war  sein  Vater  Ellis  nicht  nur  ein  gefragter  Pianist  in  New  Orleans,  sondern  ab  Mitte  der Siebzigerjahre  vor  allem  ein  berufener  Musikpädagoge,  der  Wynton  und  einige  seiner  fünf Brüder –den älteren Branford und die jüngeren Delfeayo und Jason –in den Spirit des Swing und die  Kunst  der  Fuge  einführte.  Er  gab  alles,  so  Bruder  Branford,  »um  das  Beste  aus  uns herauszuholen.« Nach dem Motto »Wir unterrichten nicht Jazz, wir unterrichten Schüler*innen«bildete Marsalis Senior auch Größen wie Harry Connick. Jr., Terence Blanchard oder Nicholas Payton aus. Überflieger Wynton studierte zunächst als Teenager an der Juilliard School of Music in New York, bevor er mit 18 an eine der wichtigsten Jazz-Universitäten wechselte: Art Blakey’s Jazz Messengers. 1982 erschien sein gefeiertes Debüt als Leader, einerseits mit Miles Davis’ legendärer  Rhythm-Section  der  Sechzigerjahre,  also  Herbie  Hancock,  Ron  Carter  und  Tony Williams, andererseits mit ›Young Lions‹wie seinem Bruder Branford Marsalis am Saxofon, dem Pianisten Kenny Kirkland und dem Schlagzeuger Jeff »Tain« Watts. »Ich möchte die Öffentlichkeit dazu bringen, die wahre Bedeutung und Schönheit der Musik zu verstehen«, wurde Wynton damals in den Liner Notes zitiert, »nicht indem ich sie verwässere, aber indem ich an einen Ort in meiner Kunst komme, an dem allen, die zuhören, klar wird, dass ich einer großen Tradition entstamme.«

Dem  internationalen  Erfolg  dieses  Albums  folgte  eine  nahezu  umgehende  Lagerspaltung.  Im einen  fanden  sich  die  Bewunderer*innen,  wie  etwa  der  Kritiker  und  Jazz-Professor  Stanley Crounch oder auch Joachim-Ernst Berendt, der meinte »seit Dizzy Gillespie ist die Trompete im Jazz  nicht  mehr  mit  einer  solch  luziden  instrumental-technischen  Meisterschaft  geblasen worden«. Gegenüber fanden sich diejenigen, etwa Keith Jarrett oder dessen Biograf Wolfgang Sandner, die sich schon von seinen Brooks-Brothers-Anzügen und der reinen Lehre des Swing
Karsten Jahnke Konzertdirektion GmbH|kj.deTelefon: (040) 414788-0|Fax: (040) 414788-11  |presse@kj.de  angegriffen fühlten. Sahen sie ihre elektrisierten bis avantgardistischen Felle wegschwimmen? War es Neid auf den Erfolg dieses fantastisch musizierenden Emporkömmlings,  eine  Art  »Entthronungskomplex«?  Inzwischen  haben  sich die Wogen geglättet –und es geht wieder vornehmlich um die Musik.

Seit  1995  leitet  Wynton  Marsalis  als  musikalischer  Leiter  die  Geschicke  desJazz  am  Lincoln Center. Das Center produziert in seiner Heimat in New York City und auf der ganzen Welt in jeder Saison  Tausende  von  Aufführungen,  dazu  Bildungs-Programme  und  Radiosendungen  für Menschen jeden Alters. Mehr als ein Drittel des Jahres ist Wynton Marsalis mit dem JLCO, das heute aus fünfzehn der besten Jazzsolistenund Ensemblespielernder USA besteht, unterwegs. Neben  Marsalis  glänzen  dabei  etablierte  Leader  wie  Ryan  Kisor  und  Marcus  Printup,  beide Trompete, Sherman Irby an allerhand Saxofonen, dazu Flöte und Klarinette, oder Victor Goines, Saxofone und Klarinetten. Wenn dieses Spitzenteam jetzt im Oktober 2021 endlich wieder durch Deutschland tourt, kommt damit auch eine gehörige Portion lebendiger, amerikanischer Jazz-Tradition in unsere Konzertsäle. Wie Wynton Marsalis zu sagen pflegt, wenn er an sein Orchester übergibt: ›Take it away.‹

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18 Okt 2021 Mo, 20:00

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